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Inkrafttreten der neuen Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) verzögert sich – Verschärfungen und Erleichterungen für Finanzanlagevermittler erwartet

Von einem Inkrafttreten der an die Vorgaben nach MiFID II (Richtlinie 2014/65/EU) angepassten Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) – ursprünglich zum 1. Januar 2019 erwartet – ist nach einer Auskunft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie mittlerweile erst im März 2019 auszugehen. Danach soll das Gesetz am 15. März 2019 im Bundesrat beschlossen und kurz daraufhin im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden. Weil nach Art. 2 des Referentenentwurfs die FinVermV am Tag nach der Verkündung in Kraft treten wird, wären die Vorgaben der neuen FinVermV dann ab der zweiten Hälfte des Märzes 2019 verbindlich, sofern keine Übergangsfrist festgelegt werden sollte.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hatte am 7. November 2018 den lang erwarteten Referentenentwurf zur Änderung der FinVermV veröffentlicht. Durch die Änderungen der für Vermittler und Berater mit einer Erlaubnis nach § 34f GewO geltenden FinVermV sollen die Vorgaben nach MiFID II nun auch im Hinblick auf Finanzanlagenvermittler umgesetzt werden.

Es wird mehrere Veränderungen geben, die von Finanzanlagevermittlern teilweise positiv (keine eigene Zielmarktbestimmung; Zuwendungsregeln weniger streng als befürchtet) und teilweise negativ (Taping und Kostenaufstellung führen zu einem erhöhten Arbeitsaufwand) aufgenommen werden dürften.

Im Einzelnen kommen auf Finanzanlagenvermittler voraussichtlich folgende Verschärfungen zu.

Künftig sind Finanzanlagevermittler gemäß § 18a FinVermV-Entwurf dazu verpflichtet, Telefongespräche und elektronische Kommunikation betreffend Vermittlung und Beratung von Finanzanlagen aufzuzeichnen (sog. Taping). Erfasst sein müssen nach dem Sinn und Zweck der Regelung also auch solche Gespräche, die sich erst im Verlauf des Gesprächs der Vermittlung oder Beratung von Finanzanlagen zuwenden, z.B. ursprüngliche Terminabsprachen oder Ähnliches. Um den mit dem Taping erforderlichen Aufwand zu vermeiden, verbleibt allein die Möglichkeit, Gespräche mit den potentiellen Kunden vor Ort zu führen.

Auch müssen künftig Finanzanlagevermittler angemessene Maßnahmen treffen, um Interessenkonflikte zu erkennen und zu vermeiden. Sofern Interessenkonflikte nicht vermeidbar sind, so wäre sicherzustellen, dass keine Nachteile für den potentiellen Anleger entstehen können. In einem solchen Fall ist anzuraten, ein Regelwerk zu erstellen, welches bestehende Interessenkonflikte erfasst und den Umgang damit regelt. Finanzanlagenvermittler haben gegenüber potentiellen Anlegern etwaige Interessenkonflikte, z.B. aus erhaltenen Zuwendungen oder aus der Vergütungsstruktur, offenzulegen, wenn trotz der getroffenen Maßnahmen eine Gefahr der Beeinträchtigung der Anlegerinteressen verbleiben kann.

Unter der neuen FinVermV wird ferner ein detaillierterer Kostenausweis erforderlich werden. Damit Anleger in die Lage versetzt werden, eine fundierte Anlageentscheidung treffen zu können, ist vor dem Abschluss des Geschäfts detailliert aufzuschlüsseln, welche Kosten für das jeweilige Produkt voraussichtlich anfallen werden, welche Auswirkungen die kumulierten Kosten auf die Rendite der Anlage haben, und außerdem sind nach Abschluss des Geschäfts die letztlich tatsächlich angefallenen Kosten zusammenzustellen. Zwar besteht schon unter der aktuellen FinVermV eine Informationspflicht hinsichtlich der Risiken, Kosten und Nebenkosten der Anlage, der neue Referentenentwurf bedeutet jedoch einen erhöhten Verwaltungsaufwand für Finanzanlagevermittler. In Bezug auf die Produktkosten darf auf die Informationen des Emittenten oder Konzepteurs zurückgegriffen werden.

Nach der neuen FinVermV wird sich nun klar ergeben, dass die Anforderungen an Werbematerialien auch im professionellen Kundenbereich zu gelten haben, sofern diese Informationen enthalten, die über die gesetzlich erforderlichen Informationen hinausgehen.

Die erwarteten Erleichterungen für Finanzanlagenvermittler lassen sich im Wesentlichen wie folgt zusammenfassen.

Die Zuwendungsregeln fallen weniger streng aus als nach dem WpHG bei einem Wertpapierhandelsunternehmen. So ist es nicht erforderlich, dass durch die Zuwendung die Qualität von Vermittlung oder Beratung verbessert wird, wie im Anwendungsbereich des WpHG. Nach der neuen FinVermV wäre eine Zuwendung vielmehr bereits dann zulässig, wenn sie sich nicht nachteilig auf die Dienstleistung auswirkt.

Auch haben Finanzanlagevermittler im Gegensatz zu Wertpapierdienstleistungsunternehmen nach dem WpHG keine eigene Zielmarktbestimmung vorzunehmen. Es genügt, wenn sie für den Vertrieb die Zielmarktbestimmung des Emittenten oder Konzepteurs einholen und verstehen, um so sicherstellen zu können, dass sie dem Anleger nur passende Finanzanlagen vermitteln.

Entsprechend der Vorgaben von MiFID II tritt an die Stelle des Beratungsprotokolls die bereits bei Wertpapierdienstleistungsunternehmen bekannte Geeignetheitserklärung, in welcher eine Begründung für die jeweilige Anlageempfehlung darzulegen ist.

Im Übrigen ist eine direkte Beaufsichtigung von Vermittlern und Beratern mit einer Erlaubnis nach § 34f GewO durch die BaFin auch weiterhin nicht vorgesehen.